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KI generiert: Grafik eines Apfels mit der Aufschrift "10 Jahre BIOBOTE".

10 Jahre Biobote  - Das Interview mit Lisa

Hi Lisa, Schön, dass du da bist ...

 

Lisa und Nik im Interview

Lisa Lubas Gründerin des Bioboten im Gespräch mit Niklas Kling

Wenn du heute auf die letzten zehn Jahre zurückblickst: Welches Bild oder welcher Moment kommt dir als Erstes in den Kopf? Was hat sich dir am meisten eingeprägt?

So einen expliziten und speziellen Moment gibt es für mich gar nicht. Wenn ich an die letzten zehn Jahre zurückdenke, kommt mir vor allem die Anfangszeit in den Kopf. Das war einfach super aufregend, aber auch echt hart und schweißtreibend, weil wir unglaublich viel lernen mussten. Für uns war das ja alles Neuland und gleichzeitig mussten wir rund um die Uhr performen. Wenn ich jetzt so an die Zeit zurückdenke, dann frage ich mich manchmal: „Wahnsinn, wie haben wir das eigentlich geschafft?“ Man muss sich vorstellen: Wir konnten uns eigentlich keine Krankheit erlauben, hatten das erste Jahr nicht einen einzigen Tag frei. An Urlaub war schon gar nicht zu denken. Und als wir uns dann im zweiten Jahr mal eine kleine Auszeit genommen haben, wurden wir sofort krank. Der Körper hat einfach nur noch funktioniert, das war schon echt krass.

Was genau hat sich während eurer Reisen in Australien und Südostasien verändert? Gab es dort einen bestimmten Moment, eine Begegnung auf einem Markt o.ä., wo ihr dachtet: Man, wie bekommen wir gesunde Bio-Ernährung in Deutschland an die Menschen?

Auch da gab es für mich nicht diesen einen Moment. Im Rahmen unseres Work and Travel hatten wir viele spannende Begegnungen und durch die Arbeit auf den verschiedenen Höfen vor Ort konnten wir sehr viel mitnehmen. So konnten wir auch sehen, wie unglaublich viel Handarbeit und Fleiß eigentlich hinter jedem Produkt steckt. Diese tiefe Wertschätzung wollten wir unbedingt mit nach Hause bringen und es den Menschen einfacher machen, an gute und ehrliche Bio-Lebensmittel zu kommen.

Wann hattest du zum ersten Mal das Gefühl: Jetzt wird es ernst, jetzt gibt es kein Zurück mehr? (Aufnahme der Kredite? Bulli-Kauf? Anmietung der Halle?)

Da gab es einige Momente in der Gründungszeit. Als wir im Maklerbüro saßen, unseren Vermieter kennengelernt und den Mietvertrag für die Halle unterschrieben haben: Das war der Moment, in dem wir nachher dachten: Wow, jetzt wird es ernst, da kommen wir so schnell nicht wieder raus. 

Mir schießt auch direkt die Situation in den Kopf, als wir bei der Bank saßen, unseren Businessplan vorgestellt haben und nach einem Kredit gefragt haben. Man muss sich dabei vorstellen, dass wir ungelogen einfach mit null Euro nach unserer Reise wieder nach Hause kamen. Wir mussten uns das Startkapital also so ein wenig zusammenleihen. Der Moment, der sich mir aber glaube ich am meisten eingebrannt hat, war der, als wir den Schlüssel von unserer Halle hatten und zum ersten Mal alleine in den Räumlichkeiten standen. Wir haben durch die Halle geguckt und uns gedacht: Wahnsinn, das ist hier so groß, das werden wir doch niemals ausfüllen können!“ Ironischerweise hat sich dann deutlich schneller herausgestellt, dass unsere Räumlichkeiten viel zu klein für unser Vorhaben wurden.

Was waren die häufigsten kritischen Gegenstimmen, die du vor oder während der Gründung gehört hast? Wer hat gezweifelt, haben dich bestimmte Stimmen besonders getroffen und hast du irgendwann auch mal selbst ans Aufgeben gedacht?

Unsere Eltern waren am Anfang ehrlich gesagt ganz und gar nicht begeistert von unserer Idee und waren äußerst skeptisch. Das hat sich zum Glück im weiteren Voranschreiten gelegt. Aber auch von außerhalb gab es viele Stimmen, die gesagt haben: „Bio im Emsland? Das kann nichts werden. Ich gebe denen ein halbes Jahr, dann sind die wieder weg.“

Natürlich habe ich dann auch hin und wieder gezweifelt. Ich weiß noch, dass ich einen echt krassen Moment hatte. Die To-Do-Liste wurde immer länger und der Startzeitpunkt für unsere Lieferungen rückte immer näher. Ich saß eigentlich ununterbrochen am Laptop, habe telefoniert, unser System aufgebaut und Artikel in unserem Shop angelegt. Und da war ich irgendwann so überfordert, dass mir abends - als Ivan nach Hause kam - die Tränen in die Augen schossen. Er hat mich dann in den Arm genommen und meinte zu mir: „Wenn du jetzt sagst: Lass uns aufhören, wir stoppen das hier, dann ist das überhaupt kein Problem, du musst es einfach nur sagen.“ Ich bin dann kurz in mich gegangen, aber wir waren schon so weit fortgeschritten und ich wollte an der Idee unbedingt festhalten. Und heute muss man sagen: zum Glück haben wir es durchgezogen.

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„Wahnsinn, wie haben wir das eigentlich geschafft?“

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Was war in den bislang zehn bewegten Jahren der für dich kritischste Moment beim Bioboten? Gab es einen Moment, in dem gefühlt alles auf der Kippe stand? 

Ehrlich gesagt gab es solch einen Moment glücklicherweise nicht. Klar gibt es immer wieder Herausforderungen, aber ich würde sagen, man wächst an seinen Aufgaben. Und das bedeutete in unserem Fall immer wieder: aufstehen, weitermachen los geht's.

Gibt es Entscheidungen, die du heute anders treffen würdest? Und gab es ggf. Fehlentscheidungen, die du teuer bezahlen musstest?

So eine richtig große Fehlentscheidung gab es glücklicherweise nicht. Andersherum gesehen, gab es aber einen echten Glücksmoment. Wir haben uns damals noch vor Corona entschieden, den Hallenausbau zu beauftragen. Das hat sich für uns damals echt utopisch und riesengroß angefühlt hat. Im Endeffekt hat sich dann aber herausgestellt, dass diese Entscheidung goldrichtig war, weil wir dadurch viel mehr Menschen beliefern konnten. Ich bin mir sicher, dass es in der Halle ganz schön eng geworden wäre, wenn wir den Ausbau nicht schon zu diesem Zeitpunkt adressiert hätten.

Wieviel machte der Biobote in den ersten Jahren von eurem Alltag aus? Wie sah es in dieser Zeit mit Arbeits- und Überstunden, Wochenenden oder auch Urlaub aus? Wie ist es heute?

Die Anfangszeit – und damit meine ich locker die ersten vier Jahre – waren echt krass. Wir sind nach unserer Reise ja auch wieder zu Hause eingezogen, quasi in unsere Kinderzimmer Es gab in dieser Zeit einfach nur den Bioboten für uns, wir waren eigentlich rund um die Uhr nur in unserer Halle. Unsere Eltern haben uns Essen vorbeigebracht, unsere Freunde haben uns dort besucht, um uns überhaupt mal wieder zu Gesicht zu bekommen. 

Wenn ich ehrlich bin, haben wir glaube ich zu lange gewartet, uns Hilfe in Form von weiteren Mitarbeitenden zu holen. Der Stress wurde teilweise schon körperlich, ich war beispielsweise zwischenzeitlich sehr geräuschempfindlich, konnte teilweise nichts mehr hören. Ich hatte einen dauerroten Kopf, was echt krass ist, wenn ich mir heute Fotos von damals anschaue. Zum Glück kam dann irgendwann Hilfe in Form unserer Mitarbeitenden. Dafür bin ich so unglaublich dankbar, weil sich dadurch für uns nach langer Zeit auch mal wieder so etwas wie ein geregelter Alltag ermöglicht hat. Heute ist es uns möglich, hin und wieder auch mal in den Urlaub zu fahren. Das wäre damals unvorstellbar gewesen.

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„Diese tiefe Wertschätzung wollten wir unbedingt mit nach Hause bringen und es den Menschen einfacher machen, an gute und ehrliche Bio-Lebensmittel zu kommen.“

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Wann wurde dir/euch bewusst, dass aus dem anfänglichen 2-Personen-Projekt ein richtiges Unternehmen entsteht? 

Für mich war es definitiv der Umzug in die neue Halle. Vorher ist irgendwie alles so ein bisschen an uns vorbeigesaust und alles lief mehr oder minder seinen Weg. Als wir dann aber hier in den neuen Räumlichkeiten waren und auf einmal auch so viele Mitarbeitende einstellen mussten, da habe ich schon gemerkt: Okay, krass, das ist jetzt nicht mehr nur der kleine Biobote, mit dem wir gestartet sind.

Gab es einen oder ggf. mehrere Meilensteine, an dem/denen du gedacht hast: Wow, das funktioniert wirklich? (bspw. Erste 100 Kunden, Einzug in die Halle, Einstellung erster Mitarbeiter etc.)

Da gab es auf jeden Fall einige. Zum Beispiel, als wir bei Ivan im Kinderzimmer saßen und unsere Webseite online gegangen ist. Da trudelten plötzlich haufenweise die ersten Bestellungen ein und ich durfte echte Kunden anlegen - mit eigener Kundennummer, Name und Adresse. Das war ein absolut verrückter Moment für mich. Natürlich hat man diesen im Vorfeld immer mal wieder durchgespielt und wusste, wo alles im System eingetragen werden muss. Aber dann waren da tatsächlich reale Kunden, die wir auch beliefern durften, der helle Wahnsinn. 

Der zweite prägende Meilenstein war meines Erachtens, als wir unsere ersten Mitarbeiter eingestellt haben. Das war für mich auch absolut irre, dass auf einmal Leute dazukamen, die bei uns arbeiten wollten. Wir haben Stellen ausgeschrieben, Vorstellungsgespräche geführt und dürfen viele dieser Mitarbeiter noch heute zu unserem Team zählen, worauf wir unendlich stolz sind. 

Und dann war da natürlich noch der emsländische Unternehmerpreis, den wir 2022 gewinnen durften. Alleine die Nominierung war schon der absolute Wahnsinn. Und als ich dann dieses große Video von uns auf der Leinwand gesehen habe, war das schon ein besonderer Moment. Ich war glaube ich auch noch nie so aufgeregt, mein Herz hat richtig stark geklopft. Und dann haben wir das Ding tatsächlich gewonnen. Das war einfach eine riesengroße Ehre und Wertschätzung - nicht nur für mich, sondern für das gesamte Bioboten-Team.

Viele Unternehmen litten unter Corona. Für euch war die Zeit gleichzeitig eine enorme Herausforderung, aber auch ein Wachstumsschub. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Das war schon eine sehr heftige und belastende Zeit. Wir wurden regelrecht überrannt, das war so verrückt. Das Telefon stand nicht mehr still, es kamen Bestellungen im Sekundentakt rein. Und letztendlich mussten wir schweren Herzens auch vielen Kunden absagen. Plötzlich standen einfach über 500 Leute auf der Warteliste.

Wir wollten in diesem Zuge aber natürlich auch unsere Werte nicht aufweichen und unseren Kunden die Qualität liefern, die sie bis dato gewohnt waren. Für uns war also klar: Wir können jetzt nicht auf einmal von heute auf morgen beispielsweise 500 zusätzliche Gurken von unseren regionalen Erzeugern bekommen. Von daher haben wir uns für diesen Weg entschieden und ich glaube, das war auch der richtige. 

Wir waren in jeglicher Hinsicht am Limit: Platz-technisch, von den Produkten her und auch körperlich. Viele Produkte waren nicht plötzlich nicht mehr lieferbar. Und dann stand ja bei all dem Trubel auch noch der Umzug in unsere neue Halle an. Den haben wir dann auch nochmal ebenso gewuppt. Nach und nach hat sich dann glücklicherweise alles immer mehr eingespielt, sodass wir irgendwann auch wieder mehr Kunden bedienen konnten. 

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„Man spürt einfach den Zusammenhalt im Team und das ist etwas, auf das ich als Gründerin sehr stolz bin.“

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Wie war für dich der Spagat zwischen dem Mutter-Werden und der Veranwortung für ein Unternehmen? Wie schwer fiel es dir, den Bioboten während deiner Elternzeit ein wenig loszulassen?

Für mich war immer klar, wenn ich Mama werde, dann möchte ich mich auch voll darauf einlassen können. Ich wäre auch gerne schon früher Mutter geworden, aber der passende Zeitpunkt ergab sich dann erst nach den aufregenden ersten Jahren. Durch die Unterstützung von unseren Mitarbeitenden war das dann letztendlich möglich. Ich musste allerdings auch lernen, Aufgaben zu delegieren und auch abzugeben.

Ich war eigentlich rund um die Uhr in Gedanken bei unseren Bioboten. Und natürlich auch trotzdem immer im telefonischen Kontakt und Austausch. Ich habe dann aber immer mehr vertraut und auch gemerkt, dass es auch ohne mich läuft. So konnte ich irgendwann zum ersten Mal richtig genießen, einfach mal zu Hause zu sein mit meiner Tochter. Ich konnte einen Kaffee trinken und irgendwie gar nicht so recht glauben, dass ich zu Hause sitze und diese ungeahnte Ruhe auf einmal habe. Das war schon sehr speziell für mich und hatte auch viel mit der tollen Rückendeckung unseres Teams zu tun.

 Ich denke dabei zum Beispiel an unseren Geschäftsführer Sebastian, der übergeordnete Themen übernommen hat. Oder Dennis, der kurz vor der Geburt extra noch aus dem Kundenservice in den Einkauf gewechselt ist, um in diesem Bereich zu unterstützen. Oder Dima, der tatsächlich so etwas wie „die neue Lisa“ hier ist, weil sonst riefen bei Rückfragen immer alle „Liiiisaa!“ und jetzt heißt es einfach immer „Diiiimaaaa“. Das ist wirklich unbezahlbar und ich bin diesen Personen - wie auch dem gesamten Bioboten-Team - super dankbar, das alle hier den Laden mit ihrem Einsatz tagtäglich am Laufen halten.

Worauf bist du nach zehn Jahren Biobote am meisten stolz?

Ich glaube einfach auf das, was der Biobote geworden ist: Ein mittelständisches Unternehmen mit über 50 Mitarbeitenden, in dem alle mit so viel Herzblut und so viel Freude dabei sind. Das ist wirklich großartig.

Was hätte die Lisa von 2016 niemals geglaubt, wenn man ihr erzählt hätte, wo der Biobote 2026 stehen würde?

In erster Linie, das wir mittlerweile 56 Bioboten sind, die jeden Tag alles geben, damit die Menschen in der Region an gute und ehrliche Bio-Lebensmittel kommen. Dass wir jeden Tag zwölf Touren auf der Straße haben. Und dass wir mittlerweile so ein großes Liefergebiet haben, dass wir von der Küste bis nach NRW liefern. Das ist richtig cool. 

Wenn wir uns zum 20-jährigen Jubiläum wiedertreffen: Was soll bis dahin passiert sein und was wäre dein größter Wunsch hinsichtlich der Unternehmensentwicklung?

Ich würde mir wünschen, dass wir weiterhin so organisch wachsen und dass wir unsere Werte weiterleben. Dass wir noch mehr Menschen in der Region erreichen können und nicht zuletzt, dass der Biobote ein Sinnbild für frische und ehrliche Bio-Lebensmittel wird.

Angenommen, der Biobote wächst weiter so kontinuierlich wie in den vergangenen Jahren: Was würdest du sagen, darf bei all dem Wachstum niemals abhandenkommen?

Ganz klar: die Frische und Qualität unserer Produkte, denn für diese stehen wir und für diese geben uns unsere Kunden auch ihr Vertrauen. Dann wäre da noch das partnerschaftliche Miteinander mit unseren Lieferanten, gerade auch aus der Region, denen wir einen entscheidenden Anteil an unserem Unternehmenserfolg zu verdanken haben.

 Und nicht zuletzt und mir persönlich besonders wichtig: das zwischenmenschliche Miteinander hier im Betrieb. Es ist einfach schön zu sehen, dass alle mit so viel Herzblut dabei sind. Und das bekomme ich auch regelmäßig von Personen gespiegelt, die uns hier besuchen und dann merken, was für ein toller und positiver Vibe hier herrscht. Man spürt einfach den Zusammenhalt im Team und das ist etwas, auf das ich als Gründerin sehr stolz bin.

KI generiert: Eine Person lächelt vor einem Auto mit einem Foto von Lebensmitteln.