Stefan, magst du dich unseren Kundinnen und Kunden kurz vorstellen?
Ich bin Stefan Dühnen, 46 Jahre alt und imkere selbst seit rund 27 Jahren. Ich bin mit meiner Frau Stefanie verheiratet und wir haben zwei Kinder, Nele und Finja. Die Imkerei begleitet mich allerdings schon deutlich länger. Bienen, Honig und die Arbeit meines Vaters und meines Großvaters gehörten bei uns schließlich immer zum Familienalltag.
Du hast die Imkerei von deinem Vater Josef übernommen. Wie fühlt sich dieser Schritt für dich an?
Einerseits ist es ein natürlicher Übergang, weil ich schon seit vielen Jahren in der Imkerei arbeite. Bisher lag mein Schwerpunkt vor allem auf der Belieferung unserer Großkunden. Nun kümmern wir uns stärker um die Abfüllung in Gläser und damit um den Weg des Honigs bis zu den Endkundinnen und Endkunden.
Das ist für mich ein spannender und zugleich großer Schritt. Die Arbeit mit den Bienen kenne ich sehr gut. Jetzt kommen neue Aufgaben hinzu, die vorher hauptsächlich mein Vater übernommen hat.
Bist du mit den Bienen groß geworden?
Auf jeden Fall. Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, bin ich schon mit meinem Opa nach Fehmarn gefahren, um dort Rapshonig zu ernten. Solche Erlebnisse prägen natürlich. Irgendwann war für mich klar, dass die Imkerei nicht nur die Arbeit meiner Familie ist, sondern auch mein eigener Weg.
Dabei ist die Unterstützung meiner Familie sehr wichtig. Während der Saison bin ich viel unterwegs und die Arbeit mit den Bienen richtet sich nicht immer nach festen Uhrzeiten. Meine Familie steht deshalb zu 100 Prozent hinter mir.
Was hast du von deinem Vater gelernt und was möchtest du selbst weiterentwickeln?
Wir möchten weiterhin eine möglichst große Auswahl verschiedener Sortenhonige anbieten und dabei eine gleichbleibend hohe Qualität erreichen. Das ist eine Haltung, die mein Vater geprägt hat und die ich genauso weiterführen möchte.
Natürlich soll trotzdem meine eigene Handschrift sichtbar werden. Das Erste, was die Kundinnen und Kunden davon bemerken werden, sind die neuen Etiketten. Sie bekommen einen frischeren und moderneren Look. Am Honig im Glas ändert sich dadurch aber nichts.
Was bleibt für unsere Kundinnen und Kunden genauso, wie sie es kennen?
Eigentlich bleibt alles Wichtige gleich. Wir bieten weiterhin unsere bekannten Honigsorten an und arbeiten genauso sorgfältig wie bisher. Auch an der Qualität und an der ökologischen Arbeitsweise ändert sich nichts.
Nur von außen sehen die Gläser in Zukunft etwas anders aus. Wer unseren Honig schon kennt, wird den Geschmack aber auf jeden Fall wiedererkennen.
Eure Imkerei ist bio- und Bioland-zertifiziert. Was bedeutet das für eure tägliche Arbeit?
Für uns beginnt die ökologische Imkerei bereits bei der Auswahl der Standorte, das bedeutet, dass wir zum Beispiel nicht in Großstädte fahren. Wir stellen unsere Bienenvölker bevorzugt in der Nähe ökologisch bewirtschafteter Flächen und in geeigneten naturnahen Gebieten auf.
Auch bei der Überwinterung achten wir darauf, den Bienen möglichst viel von ihrem eigenen Honig zu lassen. Je nach Volk sind das etwa 80 bis 90 Prozent. Nur wenn zusätzliches Futter benötigt wird, verwenden wir dafür ökologisch erzeugten Zucker.
Bei der Behandlung der Bienenvölker setzen wir auf zugelassene natürliche Mittel wie Ameisensäure. Chemisch-synthetische Behandlungsmittel kommen für uns nicht infrage. Die Bioland-Richtlinien wirken sich also auf viele einzelne Arbeitsschritte aus, von der Standortwahl über die Fütterung bis zum Umgang mit den Bienen.
Viele Menschen sehen nur das fertige Honigglas. Wie viel Arbeit steckt darin?
Bevor das Honigglas im Regal steht, haben die Bienen und auch wir schon viele Kilometer hinter uns. Ich fahre mit unseren Bienenvölkern zu verschiedenen Standorten, je nachdem, was gerade blüht.
Im Winter bringe ich einen Teil der Völker zum Beispiel in die Rheinebene, weil das Klima dort für die Honigbienen günstig ist. Von dort geht es später weiter zu verschiedenen Trachten wie Raps, Akazie, Linde, Wald oder Himbeere.
Mit den Bienen kann ich nur nachts fahren, wenn alle wieder im Stock sind. Das ist natürlich zeitaufwendig und manchmal auch ganz schön anstrengend. Dazu kommen die Kontrolle der Völker, die Honigernte, das Schleudern und später das Abfüllen.
Welche Sorte am Ende entsteht und wie groß die Ernte ausfällt, lässt sich dabei nie vollständig planen. Wir schaffen gemeinsam mit unseren Bienen die bestmöglichen Voraussetzungen. Den Rest entscheidet die Natur.
Was macht regionalen Honig aus deiner Sicht besonders wertvoll, gerade im Vergleich zu Honig, bei dem man Herkunft und Menschen dahinter kaum kennt?
Ganz streng regional können wir nicht alle Sorten anbieten. Rund um Haselünne gibt es einfach nicht die Vielfalt, die wir für unsere verschiedenen Honige brauchen. Deshalb fahre ich mit den Bienen auch in andere Regionen Deutschlands.
Trotzdem wissen die Kundinnen und Kunden genau, von welchem Imker der Honig kommt und wer dahintersteht. Wir kennen die Standorte und begleiten den Honig vom Bienenvolk bis ins Glas.
Bei manchen Honigen aus Mischungen von EU- und Nicht-EU-Ländern ist die genaue Herkunft dagegen kaum nachvollziehbar. Mir ist wichtig, dass man bei unserem Honig weiß, wer ihn erzeugt hat und aus welchem Land er kommt.
Welche Honigsorte aus eurer Imkerei empfiehlst du jemandem, der euren Honig zum ersten Mal probiert, und wie verwendest du Honig selbst am liebsten?
Da bin ich ziemlich flexibel. Am Anfang der Bienensaison mag ich die milden Sorten besonders gern, zum Beispiel Rapshonig oder Maiblütenhonig. Im Herbst und Winter darf es dann auch etwas kräftiger sein, etwa Linden-, Wald- oder Heidehonig.
Akazienhonig ist für mich auch etwas Besonderes. Er ist zwar süß, hat aber einen eher milden und neutralen Geschmack. Deshalb kann man ihn gut zum Süßen von Tee oder Kaffee nehmen. Er passt aber auch in Salatdressings oder zum Backen.
Wer unseren Honig zum ersten Mal probiert, kann mit einer milden Sorte anfangen. Wer es kräftiger mag, sollte eher Wald- oder Heidehonig nehmen.
Viele möchten Bienen unterstützen, ohne gleich Expertin oder Experte zu sein. Was kann jede und jeder im Garten, auf dem Balkon oder im Alltag ganz einfach tun?
Schon kleine Veränderungen im Garten oder auf dem Balkon helfen. Besonders sinnvoll sind heimische Blühpflanzen, Sträucher und Gehölze. Sie bieten vielen Insekten Nahrung und Lebensraum.
Außerdem darf ein Garten ruhig etwas weniger aufgeräumt sein. Nicht jede Wildblume muss sofort entfernt und nicht jede Ecke ständig gemäht werden. Eine kleine naturbelassene Fläche, blühender Klee oder ein stehen gelassener Löwenzahn sind für Bienen wertvoller als ein perfekt gepflegter, aber blütenloser Rasen.
Was wünschst du dir für die Zukunft der Imkerei?
Ich wünsche mir, dass wir die Imkerei erfolgreich in der nächsten Generation weiterführen und weiterhin gut mit unseren Partnern zusammenarbeiten. Vor allem freue ich mich über zufriedene Kundinnen und Kunden, die unseren Honig gerne essen und die Arbeit dahinter zu schätzen wissen.