Ihr habt NICAMA gegründet, weil euch die vielen Plastikverpackungen im Kosmetikregal gestört haben. Wann wurde aus diesem Gedanken die konkrete Idee, eine eigene Kosmetikmarke aufzubauen?
Wir haben uns während des Studiums kennengelernt, bei der gemeinsamen Arbeit in einem gemeinnützigen, soziokulturellen Verein. Dort haben wir schon gemerkt, dass wir gut zusammen anpacken können. Gestört hat uns alle dasselbe: Shampoo, Duschgel, Creme, fast alles im Kosmetikregal steckt in Plastik, selbst bei vielen Naturkosmetikmarken. Irgendwann war klar, dass Meckern allein nichts ändert. 2019 haben wir dann NICAMA gegründet, mit dem Anspruch: Das geht besser, und wir zeigen, wie.
Für unsere ersten Naturkosmetikprodukte haben wir über ein Jahr an der Rezeptur experimentiert. 2020 sind wir mit vier festen Shampoos gestartet, die bis heute zu unseren beliebtesten Produkten gehören. Inzwischen umfasst unser Sortiment rund 80 Produkte, von festen Shampoos über Seifen bis zu Pflegeölen, Deo- und Sheacremes.
Bei euch landen auch Inhaltsstoffe in der Kosmetik, die anderswo häufig als Reststoffe anfallen, zum Beispiel Kaffeesatz oder Orangenschalen. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen und welche Herausforderungen bringt die Verarbeitung mit sich?
Uns hat beschäftigt, dass bei der Herstellung von Lebensmitteln jede Menge wertvolle Reste anfallen, die einfach entsorgt werden. Dabei steckt zum Beispiel im Kaffeesatz oder in Orangenschalen noch viel, was der Haut guttut. Für uns war deshalb klar: Reststoffe sind kein Müll.
Heute verarbeiten wir Kaffeesatz aus Dresdner Bio-Cafés, Orangen- und Zitronenschalen sowie Apfeltrester aus der Saftproduktion zu Peelingseifen und Peelings. Außerdem haben wir die weltweit erste Seife mit Kaffeekirsche auf den Markt gebracht. Das ist das Fruchtfleisch rund um die Kaffeebohne, das bei der Ernte meist einfach auf den Feldern landet.
Einfach sind die Beschaffung und Verarbeitung von Upcycling-Rohstoffen nicht. Den Kaffeesatz holen wir beispielsweise direkt bei den Bio-Cafés ab und trocknen ihn noch am selben Tag, damit er nicht verdirbt.
Was ist euch bei der Entwicklung neuer Pflegeprodukte besonders wichtig und woran merkt ihr, dass eine Rezeptur wirklich zu NICAMA passt?
Wir setzen auf minimale Rezepturen: wenige, aber gezielt ausgewählte und hochwertige Inhaltsstoffe. Alles, was keinen echten Nutzen für Haut oder Haar hat, lassen wir weg. Unsere Produkte kommen ohne künstliche Konservierungsstoffe, Silikone, Parabene und Mikroplastik aus und sind COSMOS-Organic-zertifiziert. Viele unserer Pflegeprodukte, wie zum Beispiel unsere neuen Bio-Sheacremes, sind wasserfrei und kommen deshalb ganz ohne Konservierungsstoffe und Emulgatoren aus. Ergänzt werden sie durch Wirkstoffe wie Ceramide, Q10 oder Arnika.
Neue Produkte entwickeln wir selbst, hin und wieder aber auch gemeinsam mit Expert:innen. Getestet wird im Team, im Familien- und Freundeskreis, aber auch mit unserer Community. Zwischen der ersten Idee und dem fertigen Produkt liegen meist neun bis zwölf Monate. Hergestellt werden unsere Produkte von Hand in Deutschland.
Manchmal dauert die Produktentwicklung aber auch deutlich länger. An einem festen Conditioner arbeiten wir schon seit mehreren Jahren, und bis heute haben wir noch keine Rezeptur entwickeln können, die uns wirklich überzeugt. Deshalb gibt es ihn noch nicht. Wenn ein Produkt unserem Anspruch nicht genügt, bringen wir es nicht auf den Markt.
Viele Menschen sind feste Shampoos oder Naturseifen noch nicht gewohnt. Was würdet ihr jemandem empfehlen, der zum ersten Mal von herkömmlichen Pflegeprodukten auf feste Naturkosmetik umsteigen möchte?
Unser wichtigster Tipp: nicht alles auf einmal umstellen, sondern mit einem Produkt anfangen. Am einfachsten ist der Einstieg mit einer festen Duschseife statt Duschgel. Die Anwendung ist genauso unkompliziert, und ein Stück hält deutlich länger als eine Flasche Duschgel.
Beim festen Shampoo lohnt es sich, eines zu wählen, das zum eigenen Haar passt. Bei uns gibt es zum Beispiel Sorten für trockenes, sprödes oder schnell fettendes Haar und für empfindliche Kopfhaut. In der Anwendung ist es ganz einfach: Haare gut mit Wasser nass machen, das Shampoo ein paar Mal über das Haar streichen oder in den Händen aufschäumen, einmassieren und gründlich ausspülen. Wer vorher konventionelle Shampoos mit Silikonen benutzt hat, sollte etwas Geduld mitbringen: Gebt eurem Haar ein bis zwei Wochen Zeit, um sich umzustellen.
Ganz wichtig ist die richtige Aufbewahrung. Feste Produkte sollten nach dem Duschen gut trocknen können und nicht im Wasser stehen. Unsere Empfehlung für die Dusche oder das Waschbecken ist ein Magnetseifenhalter: Ein kleines Metallplättchen wird in die Seife gedrückt, und sie hängt frei am Halter. So trocknet sie rundum, nichts weicht auf, und das Stück hält am längsten. Für unterwegs eignet sich eine Dose mit Abtropfgitter. Und wer gern reist, wird feste Produkte schnell lieben: Sie wiegen weniger, brauchen weniger Platz, können nicht auslaufen und fallen nicht unter die Flüssigkeitsbeschränkungen im Handgepäck.